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Die frühesten schriftlichen Zeugnisse einer kontinuierlichen, über viele Jahrhunderte ausgedehnten, systematischen
Himmelsbeobachtung wurden im vergangenen Jahrhundert bei Ninive im Zweistromland (= dem heutigen Irak) ausgegraben. Auf unscheinbaren, im Wüstensand verborgenen Tontäfelchen fanden sich astronomische und astrologische Aufzeichnungen aus dem dritten vorchristlichen Jahrtausend. Eine aus zwei Tafeln bestehende Serie, die MUL.APIN-Serie,
enthält einen umfangreichen Sternkatalog, in dem 66 Sternbilder und Einzelsterne verzeichnet sind, die alle sumerische Namen tragen. 17 von diesen 66 Gestirnen sind eigens hervorgehoben: Für die Sumerer standen sie am "Weg des Mondes", m. a. W. einmal im Lauf jeden Monats zieht der Mond an ihnen vorbei. 11 dieser Sternbilder --- auf dem "Weg des Mondes"--- sind mit unseren Tierkreisbildern identisch. Die sorgfältig verzeichneten Beobachtungen wurden von den sumero-babylonischen Tempelpriestern zur Aufstellung eines Jahreskalenders herangezogen und nicht zuletzt dienten sie auch als Grundlage bei den ersten Versuchen astrologischer Schicksalsdeutung.
Aus der geschichtlichen Überlieferung ist bekannt, daß die sumero-babylonische Kultur zur Zeit ihrer Hochblüte und lange darüber hinaus sowohl in materieller als auch in geistiger Hinsicht auf den gesamten Vorderen Orient einen gewaltigen Einfluß ausgeübt hat. Unter anderem haben die sumerischen Kulturschöpfer eine astrale Symbolsprache geschaffen, die durch die Jahrtausende hindurch für den Dialog mit den Sternen verbindlich geworden ist. Dieser ursprünglich sumerische Kulturschatz ist auf verschiedene Weise allmählich in den abendländischen Kulturraum eingeflossen.
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Auch das Grundlagenwerk für alle Astrologen des westlichen Kulturkreises --- der Tetrabiblos (= das Vierbuch) des Claudius Ptolemäus ---- stand unter dem Einfluß des überlieferten sumero-babylonischen Gedankengutes. Ptolemäus war ein Meister der alexandrinischen Schule; der
"Almagest" (sein Hauptwerk über die Planetenbewegungen) galt bis zum Ende des Mittelalters als Grundlage der Astronomie. Das Vierbuch ist die einzige astrologische Schrift des Naturforschers, der ebenso wie seine orientalischen Vorgänger astronomisches und astrologisches Wissen zu verbinden trachtete; es enthält die grundlegenden Lehrsätze und die wesentlichen Richtlinien jenes astrologischen Gedankengebäudes, das für die meisten abendländischen Astrologen bis zum heutigen Tag verbindlich geblieben ist.
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Babylonische Keilschrifttafel
( aus der Bibliothek von Assurbanipal )
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